Presseauszüge

Georg Ruby - Michel Pilz

Michel Pilz – in Bad Neustadt an der Saale geborener Wahl-Luxemburger – war Mitglied von Theo Jörgensmanns internationalem Ensemble „Clarinet Contrast“ und spielte in Peter Brötzmanns „Globe Unity Orchestra“. Bei „Deuxième Bureau” trifft er mit dem Kölner Pianisten Georg Ruby zusammen, einem Meister der freien Form, der mehr das Innenleben seines Instruments bearbeitet als die Tastatur bedient. Kräftiges Zupfen und Zerren an den Saiten kontrastiert dabei komprimierte Tiefenfrequenzen und Tripelzungenspiel. Rubys Klanggestalten, die Resonanzboden und umsponnene Saiten durcheinander rütteln, hallen bei Stücken wie „Lunettes Bifocales“ wie Gongs nach, während Pilz mit chromatischen Linien das Thema vorgibt. Mit dem „Blues Pour Solène“ bekennen sie sich zu ihren Wurzeln, einem Stück, das von Albert Nicholas und Don Ewell gespielt worden sein könnte.
Ken Waxman / New York City Jazz Report 06-2012

Another duo. This one is really good. Ruby on piano reflects a variety of influences from John Cage to Cecil Taylor while Pilz also reflects a number of influences from Eric Dolphy to contemporary classical music. All compositions are listed as being by both performers, and given the nature of the performances, I would say they are all improvisations, with some agreement as to how each piece would develop. Though in some cases, especially in a long section of Papier Buvard, some passages could have been composed, or at least sketched out. Each piece is fairly short. At times I would have liked more development in a particular piece, but each piece is complete in itself. This is a very good example of leave the wanting more. Ruby does some great playing on the strings, and at some points it sounds like he is playing on a prepared piano, while at other times he is clearly playing on a regular piano. On Reprise he sounds almost like a gamelan. And his work on Lunettes Bifocals is outstanding. Pilz is all over his horn, playing nice quiet passages to some serious screaming. His lyricism in the beginning of Papier Quadrille is almost reminiscent of Ben Webster playing a ballad, making allowances, of course, for the different instrument. But the piece develops a bit more raucously. One track that really took me surprise is Blues Pour Solene. After hearing some complex interplaying, all of a sudden we hear an actual blues line. Of course, the piece develops in the style that has been established, but Pilz keeps reminding the listener that he is playing a blues, no matter how out it might be. It is nice to hear such a range of playing from a couple of classically trained European jazz players. This is a really great record featuring great playing by two great musicians who listen to each other an work well off of each other. This record may not be for everyone, but for those listeners who like this kind of music, this record is highly recommended. Cadence Magazine – Bernie Koenig – 8/9/10-2012


Ruby - Pilz - Weber & Brochier

„Rimbaud #4“ ist und bleibt ein extravagantes Experiment. Es vereint das freie Spiel von Bassklarinettist Michel Pilz, des Pianisten Georg Ruby und des Schlagzeugers Daniel „D-Flat“ Weber mit der Stimme der französischen Schauspielerin/Sängerin Élodie Brochier. Konsequent wird das Konzept „Instant Composings“ durchgehalten. Mit Ausnahme der Texte des surrealistischen französischen Lyrikers Arthur Rimbaud ist nichts vorgegeben. Alle instrumentalen Interaktionen geschehen spontan – einschließlich der Stimme von Élodie Brochier, die in einigen Titeln instrumental als zusätzliche Klangfarbe eingesetzt wird.
Nicht komplett, aber zentral, beziehen sich die Interpretationen auf vier Texte Rimbauds in deutscher Übertragung. Es entstehen raffinierte Duos von freitonalen Piano-Clustern und Einwürfen mit der Percussion wie in „Morenco“ oder intime Duos der rezitierenden Stimme mit der Bassklarinette in der Rimbaud-Sequence #3 „Alchimie du Verbe“. Frei umspielen sich Michel Pilz an der Bassklarinette, Pianist Georg Ruby und Daniel Weber an Becken und Trommeln in „Ornette“, bevor die Musik hingetupft und fast lyrisch weitergeführt wird. „Eins-Zwei-Drei-Vier“ präsentiert die hellen und schnellen Vokalisen Brochiers zu den freien Eruptionen der Partner.
Die Musik ist erregend und spannend, klangfarbenreich, intensiv und oftmals geräuschorientiert. Sie zeugt von unbändiger Spielfreude und Humor. In diese kühnen und kraftvollen Spontankompositionen wird die Stimme der Vokalistin nahtlos eingebunden - so in das Spiel der dunklen Bassklarinette, des wild hüpfenden Pianos und der wirbelnden, teils flirrenden Percussion.
Die Musik des Trios/Quartetts ist den Texten Lyrik-Meisters Rimbaud ebenbürtig und kreiert eine neue, spontane Form künstlerischen Ausdrucks. Sie fordert natürlich offene Ohren und ein Eingehen des Zuhörers auf die Sound-Experimente.

Luxembourg JazzMeeting 25.-27.11.2016:
Die Alten haben den Jungen gezeigt, "wo der Barthel den Most holt". Das Quartett um den gebürtigen Deutschen mit Schweizer Pass, Klarinettist Michel Pilz (Anfang 70), der im Großherzogtum aufgewachsen ist und seit 25 Jahren wieder dort lebt, und dem Kölner Pianisten Georg Ruby (Mitte 60) legte mit seiner Interpretation einiger Arthur-Rimbaud-Gedichte ein lebendiges und erfrischendes Konzert zwischen Abstraktion und Emotion hin, an dem sich die jüngeren Musiker im Kulturzentrum Neumünster messen lassen mussten.
JazzThing / Martin Laurentius / 03.2017


JassLab de Cologne

Eine grandiose Hildegard-Knef-Hommage ist dem JassLab de Cologne ("Eins und eins" / JazzHausMusik JHM 236) gelungen.
Die Knef, eine der besten deutschen Chanson-Sängerinnen überhaupt, war gesanglich bekanntlich limitiert. Diese Limitierung in ihr Gegenteil zu verkehren, in eine bisweilen rauschhafte Opulenz zu überführen, sie für ein in jeder Hinsicht grenzenloses Spiel zu öffnen, ist tatsächlich die einzig denkbare Neu-Interpretation, mit der man sich der Knef respektvoll nähern kann. Wunderbar auch der Kunstgriff, den Gesang von Barbara Barth immer wieder leicht hinter die Band zu verschieben oder ihn in die metallische Einsamkeit eines Megaphons zu führen. Klüger und origineller geht es nicht. Ein großer Wurf eines großartigen Ensembles.
Volker Doberstein / Jazz Podium

Liederbestenliste 2016:
Fremd und sehr vertraut
Das Jasslab de Cologne würdigt Hildegard Knef – mit stilbildenden Jazz-Chansons
(PDF)
Michael Laages, Hannover


Georg Ruby Piano Solo

GALERIEKONZERT
"Töne, so zart wie fallendes Laub"
Jeder hat sie wohl: die ganz persönlichen Lieblingssongs, die das Leben wie einen Soundtrack begleiten. Jazzpianist Georg Ruby hat einen Teil seiner Favoriten auf seinem Album "Personal Songbook" zusammengefasst. Das Besondere daran: "Die habe ich selber für mich geschrieben", so Ruby. Wie sie klingen, diese selbstkomponierten Lieblingsstücke, erfuhren die zahlreichen Besucher bei einem Abend in der Villa Zanders - in der Reihe "Galeriekonzerte", veranstaltet vom Haus der Musik.
Ein Klavier, mehr braucht Ruby nicht, um seinen Klangvisionen Form zu geben. Töne, so zart wie fallendes Laub, leiteten den "Prison Song" ein. Immer wieder hielt ein mächtiger Groove Einzug ins Klangbild, wechselte sich ab mit einer verspielten Melodie. Und man merkte schon zu Beginn: Ruby bricht Strukturen auf und experimentiert mit ungewöhnlichen Klangfolgen, ohne dabei gewollt gewitzt oder gar analytisch zu klingen - seine Stücke transportieren vor allem Emotionen.
"Ich stehe auf Klang", sagte der musikalisch umtriebige Ruby, der unter anderem Kopf der Formation Georg Ruby Village Zone und Leiter des Blue Art Orchestra der Bergisch Gladbacher Max-Bruch-Musikschule ist. Wie er aus dem Standard "Autumn Leaves" seine ganz eigene Interpretation mit dem Titel "Lena, Lena" zauberte, war beeindruckend: ein dunkler, sich stetig wiederholender Grundton, über den die Melodie wie eine sanfte Brise hinwegweht, ein an Kraft zunehmende Schauer aus Pianoklängen, die auf den Zuhörer hinunterzufallen schienen, ihn schließlich ganz umhüllten. Ruby umspielte die Versatzstücke von "Autumn Leaves", variierte Tempo und Dynamik und ließ das Werk einem flackernden Licht gleich unruhig aufleuchten.
Faszinierend setzte der Pianist auch den zügellosen Charakter von "Strange Loops" um, seine vielsilbigen Melodiefragmente, die unablässig fordernd an der Seele zu kratzen schienen, in der Hoffnung, sie werde ihre Geheimnisse preisgeben. Einen Finger legte er beim Spiel auf eine Saite des Pianos, verfremdete den Ton derart, dass hörbar wurde, was zwischen den Saiten liegt - das Hineinhorchen in eine fremde und unwirkliche Dimension.
Was Ruby zu seinen Stücken inspiriert, variiert: Mal seien es die Werke anderer Komponisten, aber auch Filme. Eine Dokumentation über Menschen, die noch heute in einer alten Silbermine nach dem wertvollen Edelmetall graben, war die Inspiration für "Potosi".
Fasziniert habe ihn hier die Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Gegenwart, erklärte Ruby. Dieser Faszination verlieh er mit beinah melodramatischen Klängen Ausdruck, ließ weite Landschaften und die Leichtigkeit des Seins in einer traumgleichen Melodie aufleben - filigran und von atemberaubender Dichte.
Georg Rubys Stücke besitzen durchweg Tragweite, sind beseelt von spannungsvoller Schönheit. "The Stalker" etwa wäre wohl der perfekte Soundtrack für einen nervenaufreibenden Thriller: Die Klänge schienen zu taumeln, zu fallen, zu rennen, atemlos verfolgt von einer dunklen Macht.
Zum Abschluss gab Ruby eines seiner Lieblingsstücke, Theo Mackebens "Und über uns der Himmel". Ein Stück, so wehmütig und warm wie ein Sommerwind, der aus längst vergessenen Tagen herweht und das sehnsüchtige Herz noch ein bisschen schwerer macht.
"Danke für Ihre Inspiration und Ihre Wärme", sagte Georg Ruby darauf zum Publikum. Diesen Dank kann man nur zurückgeben.
Christian Leinweber, Kölner Stadtanzeiger, 23.11.2010

Georg Ruby’s music inhabits a place different from the other musicians under discussion. He always has one foot in the Jazz tradition while the other is way outside. He often prepares the piano, as on the two iterations of “Prison Song,” but he does so subtly, his rhetoric deep in the Blues while transforming it, often out of recognition. Along similar lines, there is his take on “Bye Bye Blackbird,” where fragments of the melody and its attendant rhythms gradually bloom to become sonorities related to but far removed from the standard, only later morphing into the tune as we recognize it. His group recording is similarly engaging, the compositions paying periodic homages to Monk’s unexpected twists and turns of phrase while always hanging just on the edges of accessibility; the playing of all involved follows suit. Ruby’s work encapsulates the Jazzhaus aesthetic, if one exists.
Larry Hollis – Cadence Magazin, New York – 1/2/3/2010

Georg Ruby ist einer der Motoren der deutschen Jazzszene, und das nicht nur als Initiator des JazzHaus-Labels und Mitbegründer des Kölner Stadtgarten. Sein Solo-Piano-Album „Personal Songbook“ ist das Selbstportrait eines Musikers, der sich von den Zwängen des Geschäfts nicht hat vereinnahmen lassen und der sich selbst immer wieder neu findet und erfindet.
So zitiert Ruby aus früheren Alben mit der neugierigen und selbstbewussten Distanz, mit der man ein Werk aus einer lang zurückliegenden Epoche zitiert. Auf diese Weise wird etwa „Und über uns der Himmel“ aus einer völlig anderen, aber nicht minder bewegenden Perspektive interpretiert, als auf dem acht Jahre alten Mackeben-Album. Standards wie Ornette Colemans „R.P.D.D.“ und „Bye Bye Blackbird“ werden dekonstruiert und um stehende Orgelpunkte herum in Rubys musikalisches Universum neu gruppiert. Seine Komposition „Aila“ verschmilzt mit Victor Youngs Klassiker zum kippbildartigen „Aila by Starlight“.
Das alles geschieht mit einer solchen Intensität und Bewusstheit, dass es nach dem letzten Ton des Albums einige Zeit dauert, bis einen Rubys persönliches Songbook wieder freilässt. Ein ungeheuer dichtes und brillantes Album voll von Persönlichkeit, fernab des oft oberflächlichen Musikbetriebs.
Falko von Ameln / Jazzthing / November 2008

…dagegen der eröffnende Soloauftritt des Kölner Pianisten Georg Ruby: er lässt sich auf das Thema „Jazz Classics By Today’s Improvisers“ ein, greift in seinem Programm „From Ellington to Coleman“ Standards auf (oft schon verfremdet), zerlegt und variiert sie und improvisiert auf eine so subtile, so phantasievolle Art, dass der Geist der jeweiligen Stücke erhalten bleibt und doch ganz unerhörte Perspektiven und Blickwinkel eröffnet werden. Der intelligente und sinnliche Auftritt Rubys mit einer sonoren, swingenden, treibenden linken und einer glasklar perlenden dynamischen rechten Hand (deren synkopes Hämmern oft an der Klavierpart von Wolfgang Riehms Chiffre-Zyklus erinnert) geriet zum ersten Höhepunkt des Jazzjahres.
Michel Rieth/Frankfurter Rundschau

Georg Ruby hat sich in vielfältiger Weise um die deutsche Jazzszene verdient gemacht – so beispielsweise als Mitgründer des Kölner Stadtgarten, als Geschäftsführer des „JazzHausMusik“-Labels und als Leiter diverser Nachwuchs-Big-Bands. Dass er außerdem zu den herausragenden Jazzpianisten hierzulande gehört, wird da manchmal zu Unrecht übersehen. So weiß Ruby gerade in jenem kreativen Kontext zu überzeugen, in dem die Qualitäten eines Improvisationsmusikers besonders hart auf den Prüfstand gestellt werden: im unbegleiteten Solo.
Bei seinem DLF-Konzert am 12.12.2005 im Düsseldorfer Steinway Haus verblüffte der Pianist mit kraftvoller Spieltechnik und großer Improvisationsfantasie. Eigene Kompositionen, aber auch Standards wie „Bye, bye Blackbird“ oder gar Theo Mackebens Filmschlager „Bei Dir war es immer so schön“ gerieten unter Georg Rubys Händen zu feinsinnigen Meisterstücken.
Harald Rehmann/DLF

Der Pianist Georg Ruby ist Mitinitiator und Kurator des Kölner JazzHaus-Projektes und ist insbesondere durch seine Duos mit Wollie Kaiser und Michel Pilz bekannt geworden. Auf „Windmills", seiner zweiten Solopiano-Aufnahme, zeigt er, wie vielschichtig, abwechslungsreich und spannend improvisierte Musik sein kann. Neben vier frei improvisierten Metalogen und eigenen Kompositionen gibt es auch Standards zu hören, nämlich „There Is No Greater Love" von Marty Symes, Ornette Colemans "Lonely Woman" und „The Windmills Of Your Mind" von Michel Legrand. Anhand dieser Standards zeigt sich Rubys lmprovisationsweise am deutlichsten. Das Thema von „There Is No Greater Love" entwickelt sich zunächst über rasanten Arpeggien und erfährt klangliche Mutationen durch präparierte Pianosaiten. Hier bleibt Ruby dem Thema am nächsten. Das sattsam bekannte Thema von „Lonely Woman" bedarf keiner Vorstellung. Das Thema wird nur in seinen Metamorphosen, Fortspinnungen, Permutationen vorgestellt, hin und wieder dringt ein wörtlich zitierter Themenpar­tikel hindurch. Am erstaunlichsten ist Rubys Umgang mit dem Thema von „The Windmills Of Your Mind". Die etwas melancholische Stimmung dieses Stückes hält er konsequent durch, und auch hier gibt es konzentrierte Motivverarbeitung, wobei ihm ein enormer Fundus von musikalischen Materialien aus Geschichte und Gegenwart zur Verfügung steht, aus dem er phantasievoll schöpft. Seine großartige Technik ist nur Mittel zum Zweck und wird nie besonders in den Vordergrund gestellt. - Dies ist „ Instant Composing" vom Allerfeinsten. Ruby spannt große Bögen auf, gibt jedem Stück Struktur und Richtung, die er konsequent verfolgt, und durch seine strenge Materialökonomie bleiben die Zusammenhänge stets präsent. Alles ist abgeleitet, nichts kommt aus dem Nichts. Im zuhörenden Nachvollzug gewinnt man richtig Spaß an diesen Improvisationen. Benno Bartsch / Jazz Podium 12.2017

Georg Ruby ist kein Schönspieler, der sein Publikum in eine Wolke romantischer Melodien hüllen würde. Wohl aber beschert er eine atemberaubende Fülle an Klängen, in denen sich der unverfälschte Klang des Flügels mit den schnarrenden Tönen einer Reihe von präparierten Saiten vermengt. Indem er das Klare, Reine durch das Unscharfe aufbricht, holt er Unerwartetes, schlecht Vorauszuahnendes aus den Motiven. Vier „Metalog“ genannte Improvisationen, dazu ein „Riff 3“ sowie die Kompositionen „Abisag Abisag“ und "Redlock“ stammen von ihm selbst; zudem hat er „Schnecke Turtur“ von Wollie Kaiser sowie drei Standards ins Programm genommen. Dabei entsteht vor allem in den Improvisationen der Eindruck, ihn fasziniere vor allem das Physische am Spiel, die Bewegung von Fingern, Handgelenk und Armen, die Magie der Klangerzeugung aus der virtuos eingesetzten, rhythmisierten körperlichen Aktivität. So kann er Motive wie einen Wasserlauf über Klippen springen und sich in Strudeln verfangen lassen, aus denen er sie wieder heraus treibt. Oder er schiebt eine Melodie nach vorn, reißt sie durch die präparierten Saiten auf, setzt ihr dunkles Grollen entgegen, schickt sie in eine Auseinandersetzung, in der sie sich behaupten muss und setzt manchmal auch Schlusspunkte, wo man eigentlich die Fortsetzung eines Gedankens erwarten würde. Bei den drei Standards, „There Is No Greater Love“ von Marty Symes, „Lonely Woman“ von Ornette Coleman und „The Windmills Of Your Mind“ von Michel Legrand wird dies am deutlichsten. Hier bricht er die bekannten Themen auf, greift Teile heraus, entwickelt diese jenseits der Songstruktur weiter und kehrt immer wieder zu markanten Eckpunkten der Originalkomposition zurück. Man kann diese Dreiviertelstunde intensiver Musik mehrmals hören und entdeckt immer wieder Neues, Überraschendes, Widerborstiges und letztendlich auch gut versteckte romantische Momente. Werner Stiefele / 10.2017


Blue Art Orchestra


...Ein seltenes Erlebnis an Spannung wurde dem Publikum hier beschert, schon durch die äußerst abwechslungsreichen Improvisationen der einzelnen Solisten im Blue Art Orchestra, allen voran die Sopransaxophonistin Christina Fuchs. Die Zuhörer kamen, vornehmlich durch die vorbildliche Gelöstheit der Arrangements, in den Genuss eines Paradebeispiels moderner Big-Band-Arbeit. Der Versuch, Jazz und moderne Konzertmusik zusammenzuführen, gelang dem Arrangeur Georg Ruby vorbildlich.
Claude Müller; Luxemburger Wort


Wollie Kaiser - Georg Ruby

Was veranlasst Jazzmusiker eigentlich dazu, im Duo zu spielen oder präziser gefragt: worin eigentlich liegen die Vorteile einer solchen Formation im Gegensatz etwa zum „normalen“ Jazzquartett?
Solche Fragen drängen sich gerade angesichts der in den letzten Jahren in immer größerer Zahl veröffentlichten Tonträger mit kammermusikalischer Besetzung auf.
Hört man Wollie Kaiser und Georg Ruby zu, dann ist nicht nur die Frage augenblicklich beantwortet, sie wird hinfällig, ihr skeptischer Unterton kann nicht vor der musikalischen Antwort bestehen.
Das Auffallendste ist sicher, dass eine Intimität im Zusammenspiel erreicht wird, die in größeren Fomationen kaum möglich ist. Das Gefühl für Zeit, Bögen, für Pausen lässt sich kaum so ausgestaltet entwickeln, wie hier im Duo-Spiel vorgeführt. Dieses Maß an Sensibilität würde eine Standard-Jazz-Besetzung sicher überfordern.
Die Gefahr eines solchen kammermusikalischen Ansatzes ist, dass oft auf das „time-spielen“ verzichtet wird, dass diese Musik schöngeistig-unverbindlich dahinplätschert wie eine ewiglange Kadenz. Oft fehlen dann Aggressivität und Biss.
Diese Gefahren werden hier geschickt umschifft oder besser: die Musiker arbeiten ihnen offensiv entgegen. Diese Musik hat die Elemente Groove, Swing, Time genauso wie kammermusikalisch-verhaltene, freitonal-abstrakte oder freejazzig-aggressive Passagen verarbeitet sind. Beide Musiker ersetzen oft bewusst Bass und Schlagzeug, sie übernehmen deren Funktion und lassen Sehnsüchte nach einem Quartett gar nicht erst aufkommen.
Hinzu kommt eine ausgesprochen abwechslungsreiche, ja fast getüftelte Instrumentierung. So hört man außer der gängigen Saxophon-, auch die Klarinettenfamilie inklusive Bassklarinette und Kontrabassklarinette.
Nach Anhören dieser Musik stellt sich mir die Eingangsfrage anders: warum spielen Musiker eigentlich im Trio oder Quartett!?
Joachim Ullrich

...but even when they are most impassioned (Ruby slashing away at the 88’s and/or Kaiser pushin the sonic extremes of his horn), an icy cerebral sheen indicating the duo’s overriding sense of (need for?) control prevals. To a certain extend, this flattens their expression, though the maturity of their compositions and the organic manner in which the improvised material is placed within these parameters (to say nothing of its overall grace) makes for a substantial listening experience.
Milos Fine, Cadence Magazin/New York


Georg Ruby Village Zone

„Der Spielwitz, die kauzige Hintertriebenheit Rubys, der überzeugend die moderne Piano-Literatur zeitgenössischer Musik mit eigenem Duktus verbindet, die melodische Einfühlsamkeit und improvisatorische Flexibilität des gesamten Trios verleihen Village Zone eine Klangnote, die uns staunen lässt.“
Martin Woltersdorf, Kölner Stadtanzeiger